Vom Aschenputtel zur liebevollen Königin
Liebe mit Raum
Eine Sichtweise von Claudia
Senden, 17.09.2026
Der kleine Prinz – Alles an seinem Platz – die selige, erlöste Seele
Eine Sichtweise von Claudia
Senden, 07.09.2026
Das Büchlein „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry machte mich beim Lesen oft traurig. Da ist diese eine Rose, für die der kleine Prinz Verantwortung trägt und die für ihn einzigartig ist. Und doch verlässt er seinen Planeten, sein zuhause. Er begegnet dem Fuchs, dem Erzähler und vielen anderen Wesen und Menschen.
Heute sehe ich darin noch etwas anderes: Der kleine Prinz war auf einer Reise. Er war noch nicht wieder daheim bei seiner Rose. Er sammelte Erfahrungen.
Der Fuchs wird ihm wichtig. Durch ihn versteht der kleine Prinz etwas Entscheidendes über Beziehung: Es ist die Zeit, die er seiner Rose gewidmet hat, die sie für ihn so wertvoll macht. Seine Rose ist nicht die einzige Rose auf der Welt. Und trotzdem ist sie für ihn einzigartig geworden.
Auch der Fuchs bekommt einen besonderen Platz. Die goldenen Weizenfelder werden ihn später an den kleinen Prinzen erinnern. Und auch zwischen dem kleinen Prinzen und dem Erzähler entsteht eine tiefe Beziehung. Dem zurückbleibenden Erzähler werden die Sterne zu etwas Besonderem. Wenn er in den Himmel schaut, wird es für ihn sein, als würden die Sterne lachen.
Da begann ich etwas anders zu sehen:
Nicht jeder Mensch, der für uns einzigartig wird, muss deshalb unsere Rose werden.
Menschen können uns auf unserem Weg begleiten, uns berühren, uns etwas lehren und einen unverwechselbaren Platz in unserer Lebensgeschichte bekommen. Eine solche Beziehung muss nicht entwertet werden, nur weil unser Zuhause an einem anderen Ort liegt.
Vielleicht musste der kleine Prinz fortgehen, um mit dem Herzen sehen zu lernen, was er bereits hatte.
Das Schaf und die Rose
Besonders berührt mich das Schaf. Der kleine Prinz sorgt sich darum, dass es seine Rose fressen könnte. Deshalb bittet er den Erzähler um einen Maulkorb. Doch bei der Zeichnung fehlt der Riemen, mit dem der Maulkorb befestigt werden könnte.
Was wäre, wenn wir das Schaf als Bild für unsere Triebe, unser Begehren, unsere Bedürfnisse und unsere ganze ursprüngliche Lebenskraft betrachten?
Das Schaf ist nicht böse. Es ist lebendig. Es frisst, weil es ein Schaf ist.
Vielleicht brauchen wir zunächst äußere Grenzen, solange die innere Orientierung noch nicht trägt. Doch wenn Wahrhaftigkeit, Achtung, Verantwortung, Mitgefühl und Liebe nicht mehr nur Regeln sind, sondern Teil unseres Wesens geworden sind, verändert sich etwas.
Wir handeln nicht mehr achtsam, weil etwas verboten ist. Wir handeln achtsam, weil die Achtung von innen kommt.
Die Werte sind in uns lebendig geworden.
Und dann darf in meinem inneren Bild auch der Glassturz von der Rose genommen werden.
Die Rose darf frei atmen. Sie darf Wind, Sonne und Regen spüren. Sie darf ihre eigenen Dornen tragen und in ihrer eigenen Kraft stehen.
Das Schaf braucht keinen Maulkorb mehr – und die Rose keinen Glassturz.
Die Rose muss das Schaf nicht fürchten. Das Schaf muss nicht seiner Lebendigkeit beraubt werden – im Gegenteil: Das Schaf darf leben und sich ausgiebig des Lebens freuen. Und der kleine Prinz braucht nicht mehr alles durch äußere Vorrichtungen zusammenzuhalten.
Die Verantwortung ist nicht verschwunden. Sie ist nach innen gewandert.
Die Affenbrotbäume
Und dann sind da noch die Affenbrotbäume.
Auf dem kleinen Planeten können sie gefährlich werden. Solange sie jung sind, erscheinen sie noch klein. Werden sie jedoch nicht rechtzeitig erkannt und entfernt, können ihre mächtigen Wurzeln den winzigen Planeten überwuchern und zerstören.
Der Affenbrotbaum selbst ist deshalb für mich nicht „böse“. In seinem eigenen Lebensraum ist er ein wunderbarer Baum.
Doch auf diesem kleinen Planeten kann er nicht grenzenlos wachsen.
Vielleicht stehen die Affenbrotbäume für Gedanken und Gefühle, die zunächst klein beginnen und schließlich unseren gesamten inneren Raum einnehmen können: Angst, Groll, Eifersucht, Besitzdenken oder die Vorstellung, nicht genug zu sein.
Auch diese Gefühle müssen wir nicht verurteilen. Aber wir dürfen sie früh anschauen.
Denn aus einem kleinen Gedanken können mächtige Wurzeln werden.
Reife Liebe bedeutet nicht, alles wachsen zu lassen. Sie bedeutet, so aufmerksam zu sein, dass wir erkennen, was Leben entfaltet – und was beginnt, den Lebensraum des anderen zu überwuchern.
Auch das ist für mich: Alles an seinem Platz.
Vom schweren Stein zum Edelstein
Manches in unserem Leben lässt sich jedoch nicht einfach entfernen. Manche Erfahrung ist geschehen. Mancher Schmerz wurde erlebt.
Eifersucht, Verlust, Angst oder Verletzung können wie schwere Steine auf unserem Weg liegen.
Vielleicht besteht Erlösung dann nicht darin, diese Steine wegzuwerfen.
Vielleicht führt der Weg zum Frieden mitten durch den Schmerz hindurch.
Wir schauen hin. Wir fühlen. Wir verstehen. Wir lassen jedem Menschen und jeder Erfahrung ihren Platz.
Und dabei kann etwas geschehen:
Aus dem schweren Stein wird ein Edelstein.
Nicht weil der Schmerz schön gewesen sein muss. Sondern weil wir ihn verwandelt haben.
Ich stelle mir diese Edelsteine inzwischen wie die Steine einer Krone vor.
Jede wirkliche Begegnung darf darin ihren Platz haben. Niemand muss ausgelöscht werden, damit ein anderer wertvoll sein darf. Niemand muss verlieren, damit ein anderer gewinnt.
Die Rose wird zur Himmelskönigin
Und die Rose?
In meinem Bild wird sie zur Himmelskönigin.
Sie trägt ihre Krone nicht als Zeichen eines Sieges über andere. Sie trägt sie, weil sie ihren Platz kennt.
Sie muss keinen Edelstein herausbrechen und keinen Stern vom Himmel holen. Sie kann ihre Krone anschauen und sagen:
Auch das gehört zu unserer Reise.
Auch daraus haben wir gelernt.
Auch diesen Schmerz haben wir verwandelt.
Wir haben unseren Frieden gemacht.
Vielleicht ist das reife Liebe.
Nicht alles Schwierige wurde abgeschnitten. Es wurde angeschaut, durchlebt und verwandelt. Gleichzeitig wird nicht alles ungeprüft wachsen gelassen. Wir lernen zu unterscheiden: Was gehört zum Lebendigen und darf sich entfalten? Und was beginnt, den Lebensraum eines anderen zu überwuchern?
Der Fuchs darf Fuchs sein.
Das Schaf darf Schaf sein und sich seines Lebens freuen.
Die Rose darf ihre Dornen tragen.
Der Glassturz darf fallen.
Die Sterne dürfen leuchten.
Und auch der Affenbrotbaum darf Affenbrotbaum sein – an seinem Platz.
Die Rose ist frei. Das Schaf ist frei. Und die Verantwortung lebt von innen.
Die Himmelskönigin (die Rose) trägt ihre Krone mit Freude.
Alles an seinem Platz.
Vielleicht ist genau das eine selige, erlöste Seele.
Das Friedensbrot
Welche Menschen aus der Landwirtschaft möchten diesen Weg mit uns gehen?
Senden, 05. September 2026
In den vergangenen Tagen habe ich wieder Brot gebacken.
Mein Dinkel-Roggen-Sauerteigbrot mit Honig.
Während ich den Teig in meinen Händen hielt, kam mir ein Gedanke:
Was wäre, wenn aus unserem Brot ein Friedensbrot entstehen würde?
Ein Brot in Kooperation mit der Natur.
Doch wenn wir wirklich ganzheitlich von Kooperation sprechen, dann beginnt diese nicht erst in meiner Küche.
Sie beginnt viel früher.
Sie beginnt beim Boden und beim Samenkorn.
Vom Feld bis zum Brot
Für mein Brot brauche ich Mehl.
Für das Mehl braucht es Getreide.
Und für das Getreide braucht es Erde, Wasser, Sonne und Regen. Es braucht Menschen, die das Getreide anbauen – und all die Lebewesen, die diesen Lebensraum mit uns teilen.
In einem Getreidefeld leben nicht nur die Pflanzen, die wir Menschen ausgesät haben.
Dort leben Insekten, Würmer, Käfer, Spinnen und viele andere kleine Lebewesen. Vögel suchen dort Nahrung. Wildpflanzen wachsen am Feldrand und manchmal mitten zwischen dem Getreide.
Das Feld ist nicht nur Produktionsfläche.
Es ist Lebensraum.
Und genau hier könnte für mich das Friedensbrot beginnen.
Vielleicht beginnt das Friedensbrot sogar mit einem Friedensfeld.
Das Friedensfeld – Landwirtschaft in Kooperation mit der Natur
Ich wünsche mir Menschen aus der Landwirtschaft, die Freude daran haben, gemeinsam mit mir einen neuen Weg zu gehen:
Getreide für ein Friedensbrot anzubauen – in Kooperation mit der Natur.
Dabei geht es mir nicht darum, Landwirtschaft ohne jeden Eingriff zu betreiben.
Wo wir Menschen säen, pflegen und ernten, greifen wir in einen Lebensraum ein.
Die Frage ist für mich:
Mit welcher Haltung tun wir es?
Können wir Tiere und Pflanzen möglichst schonen?
Können wir vorhandene Lebensräume erhalten und vielleicht neue schaffen?
Können wir die anderen Lebewesen auf dem Feld nicht nur als Konkurrenz oder Störung betrachten, sondern als Teil eines gemeinsamen Lebensraumes?
Und können wir unser Tun ankündigen?
Die Ankündigung des eigenen Tuns
Die Ankündigung ist eine der Grundlagen meiner Arbeit in Kooperation mit der Natur.
Wenn ich beispielsweise in meinem Garten ernte, beginne ich nicht einfach mit meinem Tun.
Ich klopfe gewissermaßen erst einmal an.
Ich halte inne.
Ich trete in Beziehung.
Ich kündige den Pflanzen, den Tieren und der Natur an, was ich tun werde.
Nicht, weil ich behaupten könnte zu wissen, was dabei auf einer für uns unsichtbaren Ebene geschieht.
Sondern weil bereits dieses Innehalten meine eigene Haltung verändert.
Ich gehe nicht einfach auf eine Fläche und nehme.
Ich werde mir bewusst:
Ich betrete einen Lebensraum.
Was würde geschehen, wenn wir diese Haltung auch auf ein Getreidefeld mitnehmen?
Wenn wir vor unserem Tun innehalten?
Wenn wir ankündigen?
Wenn wir beobachten?
Wenn wir zuhören und Erfahrungen sammeln?
Genau das möchte ich gemeinsam mit Menschen aus der Landwirtschaft herausfinden.
Zuerst treten wir miteinander in Beziehung
Wenn sich jemand aus der Landwirtschaft von dieser Idee angesprochen fühlt, möchte ich diesen Menschen zunächst kennenlernen.
Denn auch zwischen uns Menschen beginnt Kooperation für mich mit Beziehung.
Menschen aus der Landwirtschaft bringen etwas mit, das ich nicht ersetzen kann:
ihr Wissen über den Boden, das Getreide, das Wetter, die Maschinen und die praktischen Abläufe auf einem landwirtschaftlichen Betrieb.
Und ich bringe meine Arbeit mit:
die Grundlagen der Kooperation mit der Natur.
Beides darf zusammenkommen.
Grundlagentag Friedensfeld – Landwirtschaft in Kooperation mit der Natur
Dafür möchte ich ein eigenes Format schaffen:
Grundlagentag Friedensfeld – Landwirtschaft in Kooperation mit der Natur.
An diesem Tag lehre ich die Grundlagen der Kooperation mit der Natur und wir überlegen gemeinsam, wie sie sich mit der praktischen Erfahrung aus der Landwirtschaft verbinden lassen.
Eine dieser Grundlagen ist der Blickrichtungswechsel.
Wir fragen nicht mehr ausschließlich:
Was kann die Natur für mich tun?
Wir fragen zusätzlich:
Was kann ich für die Natur tun?
Was braucht das Leben, das mir hier begegnet, von mir?
Es geht um Beziehung.
Um Geben und Empfangen.
Um die Ankündigung des eigenen Tuns.
Und darum, einen Lebensraum nicht ausschließlich aus der Perspektive seiner Nutzung durch den Menschen wahrzunehmen.
Dieser Grundlagentag unterscheidet sich bewusst von meinen bisherigen Tagesseminaren.
Meine Tagesseminare sind ein Schonraum, in dem Menschen an eigenen Themen arbeiten können.
Beim Grundlagentag Friedensfeld ist die Herangehensweise eine andere.
Hier geht es um gemeinsames Lernen, Austausch und Entwicklung.
Darüber darf von Anfang an gesprochen werden.
Gedanken, Fragen, Beobachtungen und Erfahrungen dürfen geteilt und weitergetragen werden.
Denn die Idee des Friedensfeldes darf hinaus in die Welt.
Sie darf weitererzählt werden.
Sie darf andere Menschen erreichen und zum Mitdenken und Mitmachen einladen.
Dann gehen wir auf das Feld
Aus dieser gemeinsamen Grundlage kann der nächste Schritt entstehen.
Wir überlegen miteinander:
Wie lassen sich die Grundlagen der Kooperation mit der Natur ganz konkret auf den Getreideanbau übertragen?
Dabei möchte ich niemandem erklären, wie Landwirtschaft funktioniert.
Die Menschen aus der Landwirtschaft bringen ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen mit.
Ich bringe die Grundlagen und meine Erfahrungen aus der Kooperation mit der Natur mit.
Beides kommt zusammen.
Vielleicht beginnen wir klein.
Mit einer überschaubaren Fläche.
Mit einer Getreidesorte.
Mit einem ersten Schritt.
Wir kündigen unser Tun an.
Wir versuchen, die anderen Lebewesen und ihre Lebensräume möglichst zu berücksichtigen.
Wir beobachten.
Wir sammeln Erfahrungen.
Wir lernen voneinander.
Und wir sprechen darüber – auch darüber, was funktioniert und was vielleicht nicht funktioniert.
Denn wir müssen nicht schon alle Antworten kennen.
Wir gehen den Weg gemeinsam.
So könnte aus einem Getreidefeld nach und nach ein
Friedensfeld in Kooperation mit der Natur
werden.
Kein Verband – jeder an seinem Platz.
Aus diesem gemeinsamen Weg soll kein neuer landwirtschaftlicher Verband entstehen.
Es geht nicht darum, Menschen oder landwirtschaftliche Betriebe unter einem gemeinsamen Dach zu organisieren.
Es soll kein neues Regelwerk entstehen, das allen vorgibt, wie Kooperation mit der Natur auszusehen hat.
Menschen aus der Landwirtschaft lernen die Grundlagen der Kooperation mit der Natur kennen und verbinden sie mit ihrem eigenen Wissen, ihren Erfahrungen und den Gegebenheiten ihres Hofes und ihrer Felder.
Jeder an seinem Platz.
Jeder Mensch bleibt eigenverantwortlich.
Wir können unsere Erfahrungen miteinander teilen.
Wir können voneinander lernen.
Wir können uns gegenseitig inspirieren.
Aber wir müssen dafür keine neue Organisation schaffen.
Kooperation braucht keine Gleichförmigkeit.
Sie darf an vielen unterschiedlichen Orten wachsen.
So können vielleicht eines Tages viele Friedensfelder entstehen.
Jedes anders.
Jedes an seinem Platz.
Und doch verbunden durch eine gemeinsame Haltung:
Leben in Kooperation mit der Natur.
Vom Friedensfeld zum Friedensbrot
Auf einem solchen Friedensfeld wächst unser Getreide.
Aus dem Getreide entsteht Mehl.
Und aus diesem Mehl backen wir schließlich unser
Friedensbrot.
Ein Brot, dessen Geschichte nicht erst in der Küche oder in der Bäckerei beginnt.
Seine Geschichte beginnt beim Samenkorn.
Beim Boden.
Bei den Regenwürmern und Insekten.
Bei den Wildpflanzen.
Beim Regen.
Bei der Sonne.
Bei den Menschen, die das Getreide anbauen.
Bei der Mühle.
Bei den Menschen, die daraus Brot backen.
Und bei allen, die dieses Brot schließlich miteinander teilen.
So entsteht eine ganze Kette der Kooperation:
Boden – Pflanze – Tier – Landwirtschaft – Mühle – Bäckerei – Mensch.
Nicht als Einbahnstraße.
Sondern als Beziehung.
Wer möchte diesen Weg mitgehen?
Deshalb möchte ich heute einen Aufruf in die Welt geben:
Welche Menschen aus der Landwirtschaft haben Freude daran, gemeinsam mit mir Getreide für ein Friedensbrot anzubauen?
Wenn Dich diese Idee berührt oder neugierig macht, dann melde Dich gerne bei mir.
Zuerst lernen wir uns kennen.
Dann schaffen wir beim Grundlagentag Friedensfeld – Landwirtschaft in Kooperation mit der Natur eine gemeinsame Grundlage.
Von Anfang an dürfen wir darüber sprechen, Erfahrungen teilen und andere Menschen daran teilhaben lassen.
Und anschließend schauen wir gemeinsam, was auf dem Feld daraus wachsen kann.
Wir müssen heute noch nicht wissen, wie jeder einzelne Schritt aussehen wird.
Wir dürfen klein anfangen.
Wir dürfen beobachten.
Wir dürfen voneinander lernen.
Und wir dürfen gemeinsam Erfahrungen sammeln.
Vielleicht wächst auf einem Feld irgendwann nicht nur Getreide.
Vielleicht wächst dort auch eine neue Beziehung zwischen Mensch und Natur.
Vom Friedensfeld zum Friedensgetreide.
Vom Friedensgetreide zum Friedensbrot.
Ein Brot in Kooperation mit der Natur.
Wer sich angesprochen fühlt oder Menschen aus der Landwirtschaft kennt, für die dieser gemeinsame Weg interessant sein könnte, darf sich sehr gerne bei mir melden.
Claudia
Leben in Kooperation mit der Natur
Von der Einbahnstraße zur Beziehung mit der Natur
Immer wieder höre und lese ich derzeit davon, daß sich die „Zeitlinien trennen“.
Was bedeutet das eigentlich?
Ich weiß nicht, ob sich tatsächlich irgendwelche Zeitlinien trennen. Aber heute kam mir ein anderes Bild dazu.
Vielleicht geht es gar nicht darum, dass die Menschheit in „die Guten“ und „die Schlechten“ eingeteilt wird.
Vielleicht geht es um Entwicklung.
Um die Frage:
Lebe ich noch in einer Einbahnstraße – oder beginne ich, in Beziehung zu leben?
Am Anfang dürfen wir einfach empfangen.
Ein Säugling kommt auf die Welt und empfängt.
Er bekommt Nahrung. Wärme. Schutz. Kleidung. Ein Zuhause. Zuwendung.
Das kleine Kind fragt noch nicht:
Was kann ich meinen Eltern dafür zurückgeben?
Es darf zunächst einfach empfangen.
Und das ist richtig so.
Doch ein Mensch entwickelt sich.
Wir werden größer. Wir lernen, selbst etwas zu tun. Wir übernehmen Verantwortung. Und irgendwann können wir auch unseren Eltern etwas zurückgeben.
Nicht als Bezahlung für das, was wir bekommen haben.
Sondern weil aus dem reinen Empfangen allmählich Beziehung und Gegenseitigkeit entstehen können.
Und wie ist es mit Mutter Natur?
Vielleicht befinden wir Menschen uns gegenüber der Natur teilweise noch in einer ähnlichen Situation wie ein kleines Kind.
Wir empfangen.
Wir trinken ihr Wasser.
Wir essen ihre Pflanzen und Früchte.
Wir atmen Sauerstoff.
Wir nutzen Holz, Erde und Rohstoffe.
Wir bauen Häuser.
Wir wärmen uns.
Wir kleiden uns.
Tag für Tag empfangen wir.
Und sehr lange lautete unsere wichtigste Frage:
Was kann die Natur uns geben?
Wie viel können wir ernten?
Wie viel können wir produzieren?
Wie können wir den Ertrag steigern?
Wie können wir Natur für unsere Bedürfnisse nutzen?
Das ist die Einbahnstraße.
Doch vielleicht werden wir gerade erwachsener.
Vielleicht taucht deshalb eine neue Frage auf:
Was kann ich der Natur zurückgeben?
Von der Nutzung zur Beziehung
Für mich beginnt an dieser Stelle Kooperation mit der Natur.
Ich ernte Kartoffeln – und lasse bewusst einen Teil im Boden und gebe etwas an Tiere und Boden zurück.
Ich backe Brot – und werde mir bewusst, wie viele Wesen, Elemente und Menschen daran beteiligt waren, dass dieses Brot überhaupt vor mir liegen kann.
Ich sehe einen Baum – und sehe nicht nur Holz.
Ich sehe Boden – und sehe nicht nur eine Fläche, die etwas für mich produzieren soll.
Ich beginne wahrzunehmen:
Ich lebe in einem großen Netz des Empfangens.
Und wenn ich das erkenne, entsteht fast von selbst die Frage:
Was kann durch mich zurückfließen?
Geben allein ist aber auch keine Ganzheit
Und dabei entdecke ich gerade noch etwas.
Ich selbst kann sehr gut geben.
Doch auch nur zu geben, ohne empfangen zu können, ist keine vollständige Beziehung.
Eine Beziehung braucht beides.
Geben und Empfangen.
Vielleicht besteht Entwicklung deshalb nicht darin, vom Nehmen einfach auf das Geben umzuschalten.
Vielleicht geht es darum, dass beides wieder miteinander fließen darf.
Ich empfange von der Erde.
Und ich gebe der Erde etwas zurück.
Ich empfange von einem Menschen.
Und ich darf einem Menschen etwas geben.
Ich gebe etwas in die Welt.
Und wenn etwas zu mir zurückkommt, darf ich sagen:
Danke. Das nehme ich sehr gerne an.
Vielleicht sind das die „Zeitlinien“
Wenn Menschen von sich trennenden Zeitlinien sprechen, gefällt mir deshalb dieses Bild:
Vielleicht gibt es keine unsichtbare Instanz, die Menschen sortiert.
Vielleicht entstehen unterschiedliche Wege einfach dadurch, wie wir leben.
Der eine Weg bleibt bei der Einbahnstraße:
Was bekomme ich?
Was kann ich nutzen?
Was gehört mir?
Und der andere Weg beginnt, Beziehung wahrzunehmen:
Was empfange ich?
Was gebe ich?
Was braucht mein Gegenüber?
Was braucht die Natur?
Wie können wir miteinander leben?
Dabei muss niemand verurteilt werden.
Denn genauso wenig, wie wir einen Säugling dafür verurteilen würden, dass er zunächst nur empfangen kann, müssen wir einen Menschen verurteilen, der diese Gegenseitigkeit noch nicht wahrnimmt.
Entwicklung braucht Zeit.
Und jeder Mensch kann beginnen.
Heute.
An seinem Platz.
Vielleicht trennt sich gar nichts
Vielleicht möchte ich deshalb am Ende sogar eine andere Frage stellen:
Was wäre, wenn sich gar nicht in erster Linie die Zeitlinien trennen – sondern unsere Entscheidungen unterschiedliche Wege entstehen lassen?
Mit jeder Handlung entscheide ich ein kleines Stück:
Einbahnstraße oder Beziehung?
Ausbeutung oder Kooperation?
Nur nehmen – oder empfangen und zurückgeben?
Und vielleicht entsteht eine Kultur des Friedens nicht irgendwann irgendwo auf einer anderen Zeitlinie.
Vielleicht entsteht sie genau hier.
Im Garten.
Beim Brotbacken.
Beim Ernten.
Beim Umgang miteinander.
In einem einzigen Augenblick bewussten Empfangens.
Ich empfange.
Ich gebe.
Ich wirke mit.
Und aus der Einbahnstraße wird ein Kreislauf.
Aus Nutzung wird Beziehung.
Aus Beziehung kann Kooperation entstehen.
Und vielleicht beginnt genau dort eine neue Welt.
Jeder an seinem Platz. 🌿
Herzlich
Claudia
Leben in Kooperation mit der Natur
Brot backen in Kooperation mit der Natur – Geben und Empfangen
Senden, 03.09.2026
Ich backe Brot.
Ein Brot in Kooperation mit der Natur.
Dinkel-Roggen-Sauerteigbrot.
Mehl, Wasser, Salz, ein wenig Honig und mein Sauerteig werden zu einem Brot, das mich immer wieder staunen lässt.
Denn wenn ich genauer hinschaue, mache ich dieses Brot nicht allein.
Ich wirke mit.
Und darin liegt für mich ein großer Unterschied.
Ich empfange, bevor ich überhaupt geben kann
Bevor meine Hände den Teig berühren, ist bereits unglaublich viel geschehen.
Das Getreide ist aus der Erde gewachsen.
Es brauchte Boden, Wasser, Sonne und Luft. Unzählige Lebewesen haben im Boden gewirkt. Menschen haben gesät, gepflegt, geerntet und das Korn gemahlen.
Dann kommt der Sauerteig hinzu.
Auch in ihm ist Leben.
Mikroorganismen beginnen ihre Arbeit. Sie verwandeln Mehl und Wasser, während ich manchmal längst etwas ganz anderes tue.
Ich kann ihnen gute Bedingungen schaffen.
Ich kann mischen, dehnen und falten. Ich kann beobachten und wahrnehmen, wann der Teig bereit ist.
Aber das Lebendige darin kann ich nicht machen.
Ich darf mitwirken.
Und plötzlich wird mir bewusst:
Bevor ich etwas geben kann, habe ich selbst schon so viel empfangen.
Brot braucht Zeit
Ein Sauerteigbrot lässt sich nicht befehlen.
Es braucht Zeit.
Ich setze meinen Sauerteig an und warte, bis er lebendig und aktiv geworden ist. Ich bereite den Teig, dehne und falte ihn und lasse ihn wieder ruhen.
Ich beobachte.
Ich tue etwas.
Und dann lasse ich wieder geschehen.
Auch darin liegt für mich Kooperation mit der Natur.
Nicht alles selbst machen zu wollen, sondern wahrzunehmen:
Wann braucht es mein Tun – und wann darf ich dem Leben Zeit und Raum lassen?
Ich segne mein Brot
Zum Brotbacken gehört für mich inzwischen noch etwas anderes.
Ich segne meine Brote.
Früher machte man ein Kreuz in den Brotteig.
Diese alte Geste berührt mich.
Heute habe auch ich ein Kreuz in den Teig gezeichnet – in das Brot, das ich für die Putzhilfe meiner Mama gebacken habe.
Und während ich das tue, halte ich inne.
Ich danke.
Mich begleitet dabei ein Dankgebet von Amei Helm. Es erinnert mich an all jene, die an unserer Nahrung Anteil haben: an Erde und Sonne, an Pflanzen und Tiere, an Menschen – und an das Leben selbst.
Plötzlich ist ein Brot nicht mehr einfach nur ein Brot.
Ich sehe die Zusammenhänge.
Ich bin nicht allein diejenige, die gibt. Ich bin zuerst eine Empfangende.
Das Kreuz im Brot
Auch das Kreuz selbst bekommt für mich dabei eine besondere Bedeutung.
Ich sehe darin mein Lebenskreuz.
Die Horizontale verbindet mich mit Mutter Natur: mit der Erde, dem Getreide, den Pflanzen, den Tieren, den Menschen und allem Lebendigen, mit dem ich diese Erde teile.
Die Vertikale verbindet mich mit dem schöpferischen Geist.
Und dort, wo sich beide Linien begegnen, entsteht die Mitte.
Der Zwischenraum.
Beziehung ist für mich das 5. Element.
Genau dort stehe auch ich.
Verbunden mit Mutter Natur.
Verbunden mit dem schöpferischen Geist.
Empfangend und weitergebend.
So wird das kleine Kreuz, das ich mit meiner Hand in meinen Brotteig zeichne, für mich zu einem Zeichen des Lebens.
Unsere großen Eltern nähren mich
Mutter Natur und der schöpferische Geist sind für mich unsere großen Eltern.
Durch sie fühle ich mich getragen und genährt.
Mutter Natur schenkt die Erde.
Das Korn.
Das Wasser.
Die Pflanzen.
Die Tiere.
Die unzähligen sichtbaren und unsichtbaren Lebenszusammenhänge.
Und im schöpferischen Geist erkenne ich jene Kraft, aus der für mich Leben, Werden und Schöpfung hervorgehen.
Meine Hände stehen dazwischen.
Sie empfangen.
Sie verwandeln.
Und sie geben weiter.
Vom Korn zum Brot – und vom Brot zum Menschen
Wenn ich ein fertiges Brot aus dem Ofen hole, halte ich am Ende einer langen Kette des Gebens und Empfangens etwas in meinen Händen.
Die Erde hat getragen.
Das Korn ist gewachsen.
Wasser, Sonne und Luft haben genährt.
Menschen haben gearbeitet.
Mikroorganismen haben verwandelt.
Feuer und Wärme haben gebacken.
Meine Hände haben begleitet.
Und nun liegt ein duftendes Brot vor mir.
Doch für mich endet der Weg hier nicht.
Das Brot kommt auf den Tisch.
Auch dort segne ich das Brot und danke unseren großen Eltern – Mutter Natur und dem schöpferischen Geist –, durch die ich mich genährt und getragen fühle.
Dann wird das Brot angeschnitten.
Wir essen davon.
Etwas, das aus Erde, Sonne, Wasser, Leben und menschlicher Arbeit entstanden ist, wird Teil unseres eigenen Körpers.
Wir werden genährt.
Und aus dieser Nahrung entsteht wieder Kraft.
Kraft zum Leben.
Kraft zum Arbeiten.
Kraft zum Lieben.
Kraft, selbst etwas in die Welt zu geben.
So schließt sich für mich ein weiterer Kreislauf.
Mein Brot darf weiterwandern
Inzwischen backe ich nicht mehr nur für mich und meine Familie.
Meine Brote dürfen weiterwandern.
Heute ist eines meiner Brote für die Putzhilfe meiner Mama bestimmt.
Ein Brot geht aus meinen Händen in die Hände eines anderen Menschen.
Vielleicht kommt es dort auf einen Tisch. Vielleicht wird es mit jemandem geteilt. Vielleicht freut sich ein Mensch einfach über eine gute Scheibe Sauerteigbrot.
Dieser Gedanke macht mich glücklich.
Ich darf nähren.
Ich darf etwas von der Fülle, die zunächst zu mir gekommen ist, weitergeben.
Doch dabei lerne ich gerade noch etwas anderes.
Auch meine Arbeit hat einen Wert
Schenken macht mir Freude.
Und gleichzeitig darf ich anerkennen:
Auch das, was ich tue, hat einen Wert.
In einem Brot stecken nicht nur Mehl, Wasser und Salz.
Darin stecken meine Zutaten.
Meine Zeit.
Meine Erfahrung.
Meine Aufmerksamkeit.
Die Energie zum Backen.
Meine Hände und meine Arbeit.
Auch das darf ich wertschätzen.
Deshalb darf ich frei entscheiden:
Dieses Brot möchte ich verschenken.
Und bei einem anderen Brot darf etwas zu mir zurückfließen.
Vielleicht als freiwillige Gabe.
Vielleicht als Geld.
Vielleicht in einer anderen Form der Wertschätzung.
Das eine macht das andere nicht weniger herzlich.
Geben und Empfangen dürfen zusammengehören.
Keine Einbahnstraße.
Auch Geld darf Teil des Austausches sein
Ich lerne, dass Geld und Herzlichkeit für mich keine Gegensätze sein müssen.
Wenn jemand mein Brot wertschätzt und mir dafür etwas gibt, darf ich es annehmen.
Nicht aus Forderung.
Nicht aus Verpflichtung.
Sondern als eine mögliche Form des Austausches.
Ich gebe etwas von Wert.
Ein anderer Mensch empfängt es.
Und auch zu mir darf etwas zurückfließen.
Das ist für mich ein wichtiger Lernweg.
Denn Kooperation bedeutet nicht, dass nur ich gebe.
Auch ich darf empfangen.
Auch mein eigener Erntekorb darf gefüllt sein.
Ein Brot voller Beziehungen
Wenn ich nun auf einen fertigen Laib Brot schaue, sehe ich darin immer mehr Beziehungen.
Die Beziehung zwischen Korn und Erde.
Zwischen Pflanze und Sonne.
Zwischen Wasser und Leben.
Zwischen Sauerteig und Zeit.
Zwischen meinen Händen und dem Teig.
Zwischen Mutter Natur und mir.
Zwischen dem schöpferischen Geist und mir.
Und schließlich zwischen mir und dem Menschen, dem ich mein Brot weitergebe.
Überall entstehen Zwischenräume.
Und in diesen Zwischenräumen geschieht etwas.
Leben.
Empfangen – danken – segnen – verwandeln – weitergeben
Vielleicht ist Brot deshalb seit Jahrtausenden so viel mehr als nur ein Lebensmittel.
Für mich erzählt es inzwischen etwas über das Leben selbst.
Ich empfange.
Ich danke.
Ich segne.
Ich verwandle.
Ich gebe weiter.
Und ich darf wieder empfangen.
Keine Einbahnstraße.
Ein Kreislauf.
Und vielleicht sogar viele Kreisläufe, die sich miteinander verbinden.
Das Korn kommt aus der Erde.
Das Brot entsteht unter meinen Händen.
Es nährt einen Menschen.
Dieser Mensch trägt seine Kraft wieder hinaus ins Leben.
Und etwas fließt weiter.
Wenn ich mein Kreuz in den Brotteig zeichne, empfinde ich deshalb Dankbarkeit.
Für Mutter Natur.
Für den schöpferischen Geist.
Für all die Lebewesen und Menschen, die mitgewirkt haben.
Für meine eigenen Hände.
Und für den Menschen, der dieses Brot schließlich essen wird.
Ich darf empfangen.
Ich darf geben.
Ich darf andere nähren.
Und auch ich darf genährt und getragen werden.
So wird aus Mehl, Wasser, Salz, Honig und Sauerteig für mich etwas, das weit über ein Brot hinausgeht.
Es wird Beziehung.
Und aus Beziehung entsteht Kooperation.
Ein Leben in Kooperation mit der Natur.
Claudia

Kartoffelernte – Es ist genug da
Senden, 03. September 2026
Heute habe ich Kartoffeln geerntet.
Kartoffeln in Kooperation mit der Natur.
Doch bevor ich mit der Ernte begonnen habe, habe ich mich der Natur, den Kartoffeln, dem Beet und den Tieren angekündigt.
Durch mein Anklopfen habe ich den Raum geöffnet, den wir miteinander teilen.
Denn wir haben dieselbe Erde.
Sie ist Lebensraum für die Kartoffeln, für die Tiere und für mich.
Für mich beginnt Kooperation mit der Natur genau dort: Ich tue nicht einfach etwas mit der Natur, sondern trete zuerst in Beziehung.
Ich öffne den Zwischenraum.
Beziehung ist für mich der Zwischenraum – das 5. Element.
Dann beginnt die Ernte.
Die schönen Kartoffeln, die ich aufbewahren und essen möchte, kommen in meinen Erntekorb und später in den Vorratskeller.
Andere Kartoffeln sind teilweise grün geworden, wurden beim Ernten verletzt oder eignen sich aus anderen Gründen nicht für meine Küche.
Entdecke ich zum Beispiel ein Tierchen in einer Kartoffel, gebe ich sie behutsam zurück ins Beet.
Ich lasse dem Tier seine Wohnung und seine Nahrung.
Auch das gehört für mich zur Ernte.
Denn nicht alles, was dort wächst, muss für mich bestimmt sein.
Ist das wirklich ein Schaden?
Heute wird häufig in Prozenten gerechnet: Wie viel Prozent der Ernte sind gut? Wie hoch ist der Ertrag? Wie viel Prozent sind beschädigt? Wie groß ist der Verlust?
Das ist die menschliche Rechnung.
Doch ich möchte noch eine zweite Perspektive danebenstellen.
Ist eine Kartoffel wirklich ein Verlust, nur weil ich sie nicht essen oder verkaufen kann?
Vielleicht hat bereits ein anderes Lebewesen von ihr genommen. Vielleicht ist sie Nahrung und Lebensraum für ein Tier. Vielleicht geht sie zurück in die Erde und wird dort Teil eines neuen Kreislaufs.
Aus meiner menschlichen Sicht kann etwas ein „Schaden“ sein – und aus der Perspektive eines anderen Lebewesens Nahrung, Wohnung und Fülle.
Was geschieht, wenn wir beginnen, die Ernte nicht ausschließlich aus unserer menschlichen Nutzenperspektive zu betrachten?
Was geschieht, wenn wir versuchen, auch einmal mit den Augen der Natur zu schauen?
Für mich bedeutet Kooperation mit der Natur, meinen Blick zu weiten:
Nicht nur: Was kann ich von der Natur bekommen?
Sondern auch:
Was darf ich ihr lassen?
Und ebenso wichtig:
Was darf ich von ihr empfangen?
Auch ich darf Fülle empfangen
Denn Kooperation bedeutet für mich nicht Verzicht.
Auch ich bin Teil dieses Lebensraumes.
Auch ich darf mich nähren lassen.
Auch ich darf ernten.
Auch ich darf Fülle empfangen.
Und genau das erlebe ich bei meiner Kartoffelernte.
Ich ernte in Hülle und Fülle – mehr, als ich und meine Familie essen können.
Mein Erntekorb darf voll sein.
Und gleichzeitig dürfen Kartoffeln im Beet bleiben. Tiere dürfen Nahrung finden. Organisches Material darf wieder zu Erde werden und neues Leben nähren.
Es ist genug da.
Für mich.
Für meine Familie.
Für andere Lebewesen.
Vielleicht liegt die Fülle gerade darin, dass ich nicht alles für mich beanspruchen muss – und trotzdem reich beschenkt werde.
Aus dem Gönnen entstand Fülle
Im vergangenen Jahr habe ich einen Teil meiner Kartoffeln bewusst im Beet gelassen.
Ich habe sie den Tieren gegönnt, damit auch sie etwas für den Winter haben.
Ich habe dabei nicht daran gedacht, was ich dafür zurückbekommen könnte. Die Kartoffeln durften einfach dortbleiben.
Und dann geschah in diesem Jahr etwas, das mich sehr berührt hat.
Die Kartoffeln, die im Boden geblieben waren, keimten wieder. Ohne dass ich sie neu gelegt hatte, wuchsen dort neue Kartoffelpflanzen.
Und genau in diesem Teil meines Beetes habe ich in diesem Jahr die größten und gesündesten Kartoffeln geerntet.
Ohne dass ich etwas dafür getan hatte.
Aus den Kartoffeln, die ich im vergangenen Jahr nicht für mich beansprucht, sondern den anderen Lebewesen gegönnt hatte, war für mich die reinste Fülle entstanden.
Nicht, weil darin ein Tauschgeschäft mit der Natur läge.
Nicht:
Ich gebe dir etwas, damit du mir später mehr zurückgibst.
Sondern:
Ich habe gegönnt.
Ohne Erwartung.
Und daraus ist Fülle gewachsen.
Auch dieses Jahr gebe ich einen Teil zurück
Auch in diesem Jahr habe ich einen Teil meiner Ernte zurück in die Erde gegeben: Kartoffeln, die teilweise grün geworden waren, die ich beim Ernten verletzt hatte oder in denen bereits ein Tierchen wohnte.
Und ich merke:
Das macht mich glücklich.
Denn damit nähre ich auch die Tiere, die diesen Lebensraum mit mir teilen.
Es fühlt sich für mich nicht nach Verlust an. Im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, dass es uns allen hier gut gehen darf – den Tieren, den Pflanzen und auch mir.
Wir teilen diesen Lebensraum miteinander.
Ich darf meinen Erntekorb füllen und meine Kartoffeln in den Vorratskeller bringen. Und gleichzeitig darf etwas im Beet bleiben für anderes Leben.
Dieses Gefühl von
„Es ist genug da – auch für dich.“
empfinde ich als Glück.
Vielleicht ist das für mich sogar eine besondere Form von Fülle: zu erleben, dass nicht nur ich etwas bekomme, sondern dass auch andere Lebewesen Nahrung finden.
Ich gebe – und während ich gebe, empfange ich bereits etwas:
Freude.
Ich habe die Kartoffeln behutsam wieder mit Erde bedeckt.
Sie dürfen dortbleiben.
Als Nahrung.
Als Wohnung und Lebensraum.
Als Teil des Kreislaufs.
Vielleicht wird die eine oder andere Kartoffel im kommenden Frühjahr wieder austreiben.
Vielleicht auch nicht.
Das weiß ich nicht.
Und ich muss es auch nicht wissen.
Denn ich gebe sie nicht zurück, damit ich im nächsten Jahr wieder eine große Ernte bekomme.
Ich gebe sie zurück, weil auch die anderen Lebewesen ihren Platz haben.
Weil wir dieselbe Erde miteinander teilen.
Und weil ich erfahren habe:
Ich darf anderen etwas gönnen – und gleichzeitig selbst in Fülle empfangen.
Mit welcher Haltung ernte ich?
Dabei geht es mir nicht allein darum, was ich tue.
Ebenso wichtig ist mir, mit welchem Gefühl und mit welcher Haltung ich etwas tue.
Ernte ich selbstverständlich?
Greife ich einfach zu?
Oder nehme ich wahr, dass anderes Leben mich nährt?
Eine Kartoffel ist für mich nicht lediglich ein Lebensmittel.
Sie ist gewachsen.
Erde, Wasser, Sonne, Mikroorganismen und unzählige Zusammenhänge des Lebens haben an ihrem Werden mitgewirkt.
Wenn ich sie ernte und später esse, nehme ich dieses gewachsene Leben in mich auf.
Deshalb möchte ich mit Dankbarkeit ernten.
Nicht aus Schuld.
Sondern aus Beziehung.
Vielleicht beginnt eine andere Form des Umgangs mit der Natur genau hier – nicht erst bei großen Konzepten, sondern bei einer Kartoffel in unserer Hand.
Wir können uns fragen:
Was kann ich der Natur geben?
Was braucht das Leben, das mich nährt, von mir?
Und was darf ich selbst empfangen?
Geben und Empfangen gehören für mich zusammen.
Keine Einbahnstraße.
Ich darf nehmen.
Ich darf geben.
Ich darf etwas zurücklassen.
Ich darf anderen etwas gönnen.
Und ich darf mich selbst beschenken lassen.
So wird aus einer Kartoffelernte für mich mehr als das Einbringen von Nahrung.
Sie wird zu einer Erfahrung von Beziehung.
Und aus Beziehung kann Kooperation entstehen.
Wir haben dieselbe Erde.
Und vielleicht dürfen wir wieder lernen, gemeinsam aus ihrer Fülle zu leben.
Ein Leben in Kooperation mit der Natur.
Claudia
Der Zwischenraum – das fünfte Element?
Senden, 20. August 2026
Zwischen mir und allem, was mir begegnet, liegt ein Raum.
Zwischen mir und einem anderen Menschen.
Zwischen mir und einem Tier.
Zwischen mir und einem Baum.
Zwischen mir und einer Pflanze.
Und auch zwischen mir und einer kleinen Schnecke.
Diesen Raum nenne ich den Zwischenraum.
Lange habe ich ihn als eine Lücke betrachtet – als den Raum zwischen mir und meinem Gegenüber. Doch immer deutlicher wird mir: Dieser Raum ist nicht leer.
In ihm geschieht Beziehung.
Was geschieht zwischen mir und Dir?
Wenn mir etwas begegnet, entsteht in mir eine Reaktion.
Vielleicht Freude. Vielleicht Dankbarkeit. Vielleicht aber auch Angst, Ärger, Ablehnung oder der Wunsch, das Gegenüber möge verschwinden.
Eine Schnecke frisst an meinem Salat.
Was geschieht nun?
Da bin ich.
Da ist die Schnecke.
Und dazwischen liegt ein Raum.
Die Schnecke ist zunächst einfach eine Schnecke. Doch in meinem Zwischenraum kann sie zum „Schädling“, zum „Feind“, zum Ärgernis werden.
Oder ich beginne zu fragen:
Was geschieht eigentlich zwischen mir und dieser Schnecke?
Plötzlich richtet sich mein Blick nicht mehr ausschließlich auf das Gegenüber. Ich beginne, meine Beziehung zu ihm wahrzunehmen.
Der Zwischenraum als fünftes Element?
Wir kennen die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft.
Und ich frage mich inzwischen:
Ist der Zwischenraum vielleicht wie ein fünftes Element?
Nicht als naturwissenschaftliche Aussage und auch nicht als eine allgemeingültige Lehre. Es ist ein Bild, das sich aus meiner Arbeit mit der Kooperation mit der Natur entwickelt hat.
Für mich ist der Zwischenraum der Raum der Beziehung.
Er verbindet, ohne dass einer der beiden seinen eigenen Platz verlassen muss.
Ich darf an meinem Platz sein.
Du darfst an Deinem Platz sein.
Und zwischen uns darf etwas Neues entstehen.
Dort kann Frieden beginnen
Vielleicht beginnt Frieden nicht erst irgendwo weit draußen in der Welt.
Vielleicht beginnt er genau hier.
In dem kleinen Raum zwischen mir und dem, was mir gerade begegnet.
Wenn ich meinen Zwischenraum wahrnehme, muss ich mein Gegenüber nicht sofort verändern. Ich kann zunächst schauen:
Welche Beziehung habe ich zu dem, was mir begegnet?
Und dann kann sich etwas verändern.
Nicht unbedingt die Schnecke.
Nicht unbedingt der andere Mensch.
Nicht unbedingt die äußere Situation.
Aber die Beziehung.
Der Zwischenraum kann weiter werden. Friedlicher. Freier.
Jeder an seinem Platz
Für mich gehört dazu auch die Ordnung.
Jeder und alles hat seinen Platz.
Ich muss nicht den Platz der Schnecke einnehmen. Die Schnecke muss nicht meinen Platz einnehmen.
Ich darf meine Bedürfnisse wahrnehmen und auch Grenzen setzen. Kooperation bedeutet für mich nicht, alles geschehen zu lassen.
Aber ich kann lernen, dem anderen seinen Platz in der Schöpfung zuzugestehen – und gleichzeitig meinen eigenen einzunehmen.
So entsteht Beziehung statt Kampf.
Frieden in allen Teilen der Schöpfung
Der Gedanke des Zwischenraums reicht für mich weit über unseren Umgang miteinander als Menschen hinaus.
Wie ist mein Zwischenraum zu einer Pflanze?
Zu einem Baum?
Zu einem sogenannten Unkraut?
Zu einem Tier?
Zu meinem Garten?
Zu unserer Mutter Natur?
Und wie ist er zu einer kleinen Schnecke, die gerade dort auftaucht, wo ich sie eigentlich nicht haben möchte?
Vielleicht können wir Frieden in der Welt nicht nur im Großen suchen.
Vielleicht dürfen wir ihn im Kleinsten beginnen lassen.
Zwischen mir und Dir.
In dieser unscheinbaren Lücke.
In diesem Raum der Beziehung.
In meinem Zwischenraum.
Vielleicht ist er für mich tatsächlich wie ein fünftes Element.
Ein Raum, in dem Beziehung geschieht.
Ein Raum, in dem wir einander unseren Platz lassen können.
Und ein Raum, in dem Frieden wachsen darf.
Eine persönliche Sichtweise von Claudia Bosch
Möge sich alles wieder ordnen.
Möge jeder seinen Platz finden und sein Zuhause.
Die Natur und die Schöpfung haben ihre Ordnung. Vielleicht beginnt Frieden dort, wo wir aufhören, gegen diese Ordnung zu kämpfen, und lernen, mit ihr zu kooperieren.
Manchmal schenkt uns die Natur einen Gedanken, der weit über den Garten hinausreicht.
So durfte ich erkennen:
Vielleicht ist dies eine der tiefsten Botschaften der Kooperation mit der Natur:
Kooperation mit der Natur bedeutet, daß jeder seinen Platz und sein Zuhause finden darf.
Die Distel ist nicht falsch.
Die Schnecke ist nicht falsch.
Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen sind nicht falsch.
Alles Lebendige braucht den Ort, an dem es seinem Wesen entsprechend wachsen und gedeihen darf.
Gleichzeitig braucht auch der Mensch den Raum, in dem er sich entfalten, freuen, wohlfühlen, wachsen und sich weiterentwickeln darf.
Plötzlich wurde mir bewusst:
Frieden entsteht nicht dadurch, daß alle am selben Ort bleiben oder denselben Weg gehen.
Frieden entsteht dort, wo jeder sein Zuhause finden darf.
Das gilt für Pflanzen.
Das gilt für Tiere.
Das gilt für Menschen.
Es gilt für Gemeinschaften, Religionen und Weltanschauungen.
Menschen dürfen ihren eigenen Glaubens- und Lebensweg gehen und zugleich die Schöpfung als gemeinsames Zuhause entdecken. Denn die Schöpfung gehört keinem einzelnen Menschen und keiner einzelnen Religion. Sie ist uns allen anvertraut.
Manchmal trennen sich Wege.
Auch das gehört zum Leben.
Doch selbst dann kann der Wunsch bleiben, dass jeder seinen Ort findet, an dem er sich entfalten, zum Wohl anderer wirken, wachsen und in Frieden leben kann.
So darf sich alles wieder ordnen.
So darf jeder seinen Platz finden.
So darf jeder sein Zuhause finden, sich freuen, wohlfühlen, wachsen und sich weiterentwickeln.
So gibt es keine Feinde.
So gibt es keine Verlierer.
Für mich ist das Kooperation mit der Natur.
Sie ist keine neue Religion.
Sie ist eine Kultur des Friedens.
Sie lädt zur Rückverbindung ein – mit sich selbst, mit den Mitmenschen, mit der Schöpfung und mit dem Göttlichen.
Möge sich alles wieder ordnen.
Möge jeder seinen Platz finden.
Möge jeder sein Zuhause finden, sich freuen, wohlfühlen, wachsen und sich weiterentwickeln.
Wenn jeder Teil der Schöpfung – Mensch, Tier und Pflanze – seinen Platz und sein Zuhause finden darf, kann Frieden wachsen.
Religio (Rückverbindung) – Was ist Leben?
Senden, 3. August 2026
Eine persönliche Sichtweise von Claudia Bosch
Für mich ist Kooperation mit der Natur mehr als eine Religion.
Religion wäre dafür zu eng gedacht.
Kooperation mit der Natur ist eine Kultur des Friedens.
Sie lädt dazu ein, die Welt mit den Augen der Natur zu betrachten.
Sie verbindet, was der Mensch oft getrennt hat.
Sie erinnert daran, daß die Natur und die Schöpfung ihre Ordnung haben und jedes Lebewesen seinen Platz und sein Zuhause finden darf.
In diesem Sinn verstehe ich sie als eine ursprüngliche Kultur – einen Urkult des Lebens, der nicht trennt, sondern verbindet.
Nicht der Mensch steht im Mittelpunkt.
Nicht die Natur steht im Mittelpunkt.
Sondern die lebendige Beziehung zwischen Mensch, Natur und Schöpfung.
Für mich bedeutet Religio Rückverbindung.
Rückverbindung mit sich selbst.
Rückverbindung mit den Mitmenschen.
Rückverbindung mit der Natur.
Rückverbindung mit der Schöpfung.
Rückverbindung mit dem Göttlichen.
Darin liegt für mich Frieden.
Das ist für mich Leben.
Die Kultur des Friedens ist offen für Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen.
Sie möchte keine Religion ersetzen und keine neue Religion gründen.
Sie lädt Menschen ein, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit, miteinander und mit der Schöpfung in Beziehung zu treten.
Darin sehe ich einen wichtigen Unterschied.
Christen dürfen das Vaterunser beten.
Muslime dürfen ihre Gebete sprechen.
Hindus dürfen ihre Tradition leben.
Menschen ohne religiöses Bekenntnis dürfen ihren eigenen Weg gehen.
Und dennoch können sie gemeinsam entdecken, was die Schöpfung uns über Frieden, Beziehung, Verantwortung und das Leben lehren möchte.
Für mich beginnt dort die Rückverbindung.
Nicht in der Trennung.
Sondern in der Verbindung.
Nicht im Gegeneinander.
Sondern im Miteinander.
Nicht in der Uniformität.
Sondern in der Vielfalt.
Kooperation mit der Natur ist für mich eine Kultur des Friedens.
Sie lädt jeden Menschen ein, seinen Platz und sein Zuhause zu finden.
Darin liegt für mich Frieden.
Das ist für mich Leben.